Die 10 nervigsten Yogalehrer-Typen

Wiedergeboren als Yogalehrer

Die Zeit vergeht viel zu schnell. Irgendwie habe ich doch gerade erst mit der Ausbildung begonnen und in vier Wochen ist der ganze Spaß schon wieder vorbei. Und ich bin offiziell Yogalehrer. So langsam aber sicher gewöhne ich mich an den Gedanken in der Jogginghose zur Arbeit zu gehen (das steht übrigens ganz oben auf meiner „Bucket List“). Auch wenn es mich selbst noch etwas überrascht, dass ich mit Anfang vierzig einen neuen Beruf erlerne, ist der Weg vom gestressten Werber zum gechillten Yogi gar kein so seltener. Dazu kommt, dass ich Veränderung mag, nicht ohne Grund habe ich in den letzten zehn Jahren ungefähr zehn verschiedene Adressen gehabt. Und jeder Neuanfang ist auch irgendwie eine weiße Leinwand, auf der man sich als Mensch neu erfinden kann. In meinem Fall als Yogalehrer.

Klarer Fall für die Typberatung.

Ich habe in meinem bisherigen Leben nicht nur überdurchschnittlich viele Wohnungen bewohnt, sondern auch mehr Schulen besucht als vielleicht unbedingt nötig gewesen wären. Auffällig dabei: Meine Lehrer waren alle irgendwie gleich. Es gab den coolen Kumpeltyp (Sport), die psychisch angeknackste Junggebliebene (Kunst), das humorlose Muttersöhnchen (Mathe) und den lebensfrohen Alkoholiker (alle Fremdsprachen). Okay, das war fies und ich will es nicht verallgemeinern. Aber es GIBT diese Typen – zumindest in Einzelfällen. Vielen Einzelfällen. Und auch bei den Yogalehrern lassen sich, nach einigen Jahren Praxis und vielen besuchten Yogaschulen in mehreren Ländern, eindeutige Typen identifizieren.

Die 10 nervigsten Yogalehrer-Typen

Der Vorleser
Er hat entweder relativ wenig Unterrichtsroutine oder relativ wenig Kurzzeitgedächtnis. Deshalb liest er („Einatmen“) jede Asana inkl. Detailanweisungen einzeln von seinem („Ausatmen“) Stundenkonzept ab.

Der Freestyler
Er so ziemlich das Gegenteil des Vorlesers. Nach dem ersten „Om“ hat er eigentlich keinen richtigen Plan, wie die Klasse weitergehen soll. Aber nach 80 Minuten voller Überraschungen (Rechts? Links?) treffen sich zumindest alle wieder in Savasana.

Das Mäuschen
Es verkauft sich vielleicht etwas unter Wert. Man weiß es leider nicht wirklich, weil es so leise spricht, dass man den Anweisungen des Mäuschens auf Sichtkontakt folgen muss. Damit wandert verhältnismäßig viel Aufmerksamkeit zu der Person in der ersten Reihe, die als einziges was vom Geflüster des Mäuschens mitbekommt und die Übungen für die anderen Schüler vormacht.

Der Animateur
Er ist lauter als das Mäuschen, geradezu unterhaltsam und trägt in seinem Gesicht ein Lächeln aus Spannbeton. Außerdem unterrichtet er nicht nur Yoga, sondern auch Zumba, Body Pump, Downhill Mountain Bike (auch für Anfänger), Windsurfing und Eisstockschießen. Sein Studium schließt er dann mal in ein paar Jahren ab, ist ja noch Zeit. Im Yogastudio wirst du ihn leider selten finden, er verbringt das ganze Jahr im Robinson Club.

Der Prediger
Er hört sich gerne reden. Wirklich gerne. In epischer Breite. Über Gott und das Leben und den Glauben und die Liebe. Über Menschen und Tiere und Phänomene und ferne Länder und über Yoga und Ernährung und Dieselkatalysatoren und Schadstoffe und Massivholzmöbel und Kaltgetränke und Sternenbilder und Fruchtsaftgetränke und Museumsbesuche und, und, und.

Der Aktivist
Der Aktivist ist der Co-Pilot des Predigers. Er unterrichtet eigentlich nur Yoga, um das aktuell von ihm unterstützte Weltverbesserungsprojekt zu bewerben. Und Mitstreiter für die nächste Demonstration/Mahnwache/Farbbeutelattacke/Zootierbefreiung zu gewinnen. In der Klasse des Aktivisten finden sich übrigens häufig Mitarbeiter des Verfassungsschutzes (erkennt man an der Knarre in den Leggings).

Der Perfektionist
Er leidet entweder unter einem untherapierbaren Helfersyndrom oder er berührt einfach gerne verschwitzte Menschen. Der Perfektionist legt während seiner Klasse ungefähr acht Kilometer zurück und keine Asana wird von derselben Stelle aus angesagt. Weil er durchgehend am Assistieren ist und es nicht erträgt, wenn Übungen nicht zu 100% perfekt ausgeführt werden.

Der Vorturner
Er würde auch mal gerne assistieren, aber viel lieber macht er eine Stunde Yoga. Man muss sich ja auch als Yogalehrer fit halten. Von der ersten Minute bis zur letzten Verbeugung bleibt der Vorturner auf seiner Matte und übt jede einzelne Asana mit. Das kann aber von Vorteil sein, wenn er gleichzeitig ein Mäuschen ist (siehe oben).

Der Drill Sergeant
Sein Anspruch an eine Yogaklasse: Muskelkater für alle. Weniger als die totale Erschöpfung ist als Klassenziel nicht vorgesehen. Seine Ansagen sind unmissverständlich und unüberhörbar, Meditation und Chanten sind für ihn Zeichen von Schwäche. Genau wie der Fauxpas, während der Stunde zu lächeln. Oder davor oder danach oder überhaupt irgendwann.

Der Rockstar
Er ist der Geilste. Also wirklich der Obergeilste. Deshalb sind die ersten beiden Reihen der Klasse auch von seinen Groupies besetzt, alle perfekt gekleidet und wasserfest geschminkt. Sein Unterricht? Wie alles andere an ihm nicht von dieser Welt, vor, während und nach der Klasse dokumentiert er ihn deshalb auch auf Instagram. Und ja, natürlich ist der Rockstar über und über tätowiert.

Der Mensch bleibt Mensch.

Auch wenn diese Liste von Yogalehrer-Typen vielleicht etwas übertrieben formuliert ist: Es gibt sie alle da draußen, diese Typen. Wahrscheinlich nicht ganz so sortenrein getrennt, aber mit einer oder mehreren der oben genannten „Macken“. Ich hatte allerdings bisher noch nie das Pech, einen Yogalehrer zu treffen, der seinen Job (auf seine eigene Weise) nicht mindestens gut gemacht hätte. Und ich sollte – als Anfänger – den Mund auch nicht zu voll nehmen. Denn selbst wenn wir uns (z.B. als Yogalehrer) neu erfinden wollen, kommen wir nicht so richtig raus aus unserer Haut. Wir können lediglich an uns arbeiten. Innendrin bleiben wir aber weitestgehend dieselben, nur in einer neuen Version, aber mit vielen Features aus den Vorgängermodellen von uns selbst. Aber das ist ja auch ganz schön, denn jedesmal wenn ich mich verändern will, fallen mir Dinge auf, die gleich bleiben. Das sind dann wohl Dinge, die mich ausmachen, mein angeborenes, pures Selbst. Und ich bin sehr gespannt, welche Yogalehrer-Klischees dieses Selbst mit seinen Macken demnächst im Unterricht erfüllt. Namaste.

PS: Habe ich einen nervigen Typ Yogalehrer vergessen? Dann hinterlasse gerne einen Kommentar.

 

Fotos: Liza Meinhof

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