Leben in Berlin – du kannst dein Ändern leben

Blablabla.

„Du musst dein Ändern leben.“ Diesen verdrehten Spruch haben wir schon 1000 Mal auf Facebook, Instagram oder Pinterest gelesen. Aber dieser Satz nervt. Er suggeriert mir, dass ich nicht genug unternehme, um so zu sein wie ich will. Natürlich ändere ich mich und zwar ständig, weil sich das Leben um mich herum ändert: Kind, Jugendlicher, Erwachsener. Schüler, Student, Arbeitsbiene. Single, Ehemann, Vater. Alles bleibt im Fluss und wenn wir uns im Lauf des Lebens verändern, passen wir uns den neuen Umständen an. Aber ändern wir uns wirklich?

Ich habe mein Leben verändert

Bevor ich vor sechs Jahren aus Karlsruhe nach Berlin zog, schien in meinem Leben alles auf Kurs zu sein. Nach Ausbildung und Studium hatte ich einen spannenden Job gefunden, eine tolle Wohnung und unter der Haube war ich auch schon. Check. Und dann haben meine Frau und ich uns für ein „Auslandssemester“ entschieden: Nach Berlin zum Arbeiten. Ein Jahr lang in der großen Stadt. Und auf einmal wurde alles anders irgendwie. Neue Menschen, mit denen man neue Dinge tut. Im Job, an der Theke und am Wochenende. Alles war auf einmal so spannend. Wie viele Neu-Berliner hetzten wir durch die ganze Stadt, um bloß nichts zu verpassen. Und wurden dabei andere.

Verändert auf jeden Fall dein Leben: Ein Kind.
Verändert auf jeden Fall dein Leben: Ein Kind.

Berlin ist mein Goa

Eine große Veränderung in meinem Leben: Ich habe Yoga entdeckt. Klar, dafür hätte ich nicht nach Berlin ziehen müssen, auch in Karlsruhe gibt es kompetente Yogalehrer. Aber hätte ich dort den Mut und den Willen gehabt, was Neues auszuprobieren? Wenn alles in geregelten Bahnen verläuft, ist es schwierig auszubrechen. Selbst in Berlin war ich als Yogi vor drei Jahren noch ein bisschen der Exot. In meinem Krankenkassenkurs bei der Yogapraxis war außer mir nur ein weiterer Mann. Aber Berlin ist eine Yogastadt, die Zeit hier mein persönlicher Trip nach Indien. Nirgends in Deutschland gibt es so viele tolle Studios, so viele gute Lehrer und so viele wunderbare Yogis wie hier. Die Stadt hat es mir leicht gemacht, Yoga lieben zu lernen. Dieser schmutzige Fluß, der unsere Hauptstadt in der Mitte teilt, ist für mich der Ganges.

Nicht nur in Berlin

Ich bezweifle, dass ich in einer anderen Stadt meinen Weg zum Yoga gefunden hätte und ach, was hätte ich verpasst. Mehrmals pro Woche übe ich und seit einiger Zeit schreibe ich auch noch darüber. Yoga (und der Yogablog) ist ein wichtiger Teil von mir geworden und auch ein Teil meiner Familie. Meine Frau schießt unter den absurdesten Bedingungen Bilder von mir und liest meine Texte Korrektur (die Arme) und unser Sohn will ständig, dass ich ihm beim Kopfstand assistiere. Natürlich hätte ich auch anderswo einen neuen Job, eine neue Wohnung und eine Yogaschule finden können. Für mich persönlich konnte es nur in Berlin passieren. Obwohl ich ein ausgemachtes Landei bin, habe ich von Anfang an sehr gut funktioniert in dieser von vielen hassgeliebten Stadt. Der Abstand nach Hause hat mir Freiheit gegeben und auch das Selbstbewusstsein, Neues kennen zu lernen und auszuprobieren. Ich hätte es woanders nicht geschafft.

Und plötzlich ist alles anders.
Und plötzlich ist alles anders.

Der Mix macht’s

Ich glaube, ich lebe mein Ändern – zumindest ein bisschen. Denn in mir steckt immer noch der Junge aus dem kleinen Ort im Badischen. Der Teenager mit der Rockband, der überambitionierte Sportler und der planlose Party-Student. Und egal wie sehr wir uns ändern, ein Stück weit bleiben wir immer wir selbst. Was wir gestern waren, macht uns zu dem was wir morgen sein werden. Nur diese besondere Mischung macht uns als Menschen aus. Ich liebe mein Leben, meine Vergangenheit und noch mehr die Gegenwart. No regrets. Aber in dem Moment, in dem wir uns bewusst für eine Veränderung entscheiden, finden wir ein Stück weiter zu uns selbst. Namaste.

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