So hat Urban Sports Club im ersten Jahr fast mein Yogastudio ruiniert

Willkommen im Club.

Was hat man in den vergangenen Monaten nicht alles vom Fitness-Flatrate-Anbieter Urban Sports Club gelesen. Bedingt durch Corona wurden da Dumpingpreise für Yogaklassen (5,04 Euro pro Teilnehmer) eingeführt, Yogalehrer kurzfristig aus ihren laufenden Verträgen gekündigt und so ganz nebenbei alle Partner dazu gezwungen, das Buchungssystem des Schwesterunternehmens Fitogram bei sich einzuführen. Auf das Urban Sports Club – ebenfalls ganz nebenbei – übrigens Zugriff hat. Und während sich in Berlin die Studios solidarisch gegen den Marktführer in Sachen Sport-Abonnements vereinten, gab es in München lediglich eine halbgare WhatsApp-Gruppe – in der gaben sich die Yogastudio-BetreiberInnen nicht ganz so konsequent, wie der Name der Gruppe hätte erwarten lassen. Ja, in diesem verrückten Jahr konnten wir alle viel lernen – vor allem, wenn man ein frisch eröffnetes Yogastudio betreibt. 

Ein Jahr zurück, bitte.

Bei SHIVA SHIVA YOGA fing in Sachen Urban Sports Club eigentlich alles ganz gut an: Schon bei der Eröffnung im Oktober 2019 war das Studio Partner des Flat-Anbieters aus Berlin. Natürlich: Für den Besuch der Mitglieder erhält man am Monatsende wesentlich weniger ausgezahlt als für einen Teilnehmer mit Zehnerkarte. Dafür spart man sich – und das ist auch das Hauptargument – Kosten für Werbung und Marketing. Und die sind auch nicht unerheblich. Einige Monate lang waren dann erstmal alle glücklich – es kam sogar persönlicher Besuch von Urban Sports Club ins Studio und der Yogadude wurde zu einem „Round Table“-Gespräch von USC eingeladen. Und als SHIVA SHIVA YOGA im Januar dann so langsam Fahrt aufnahm, stiegen auch die Teilnahmen von Uban Sports-Abonnenten drastisch an. Im Nachhinein war dieser Zeitpunkt eigentlich der Anfang vom Ende. 

Die Sache mit der Zahlungsmoral.

Das Geschäftsmodell von Urban Sports Club ist schnell erklärt: USC sammelt am Monatsanfang Geld von seinen Mitgliedern ein. Die gehen munter zum Yoga (Fitness/Schwimmen/Skifahren). Am Monatsende werden die Besuche abgerechnet und irgendwann an die Studios verteilt. Die Höhe der Auszahlung richtet sich dabei übrigens nicht nur nach der Urban Sports-Mitgliedschaft, sondern auch nach Verhandlungssituation des jeweiligen Studios. Wenn man unterstellt, dass bei ein einer hochtechnisierten Fitness-Flat-App relativ wenig von Hand abgerechnet wird, würde man mit einer Erstattung der Besuche innerhalb weniger Tage im Folgemonat rechnen. Im Fall von SHIVA SHIVA YOGA war es so, dass die Zahlung für Januar nach vielen Mails und Telefonaten erst Ende März eintraf. Als kleines Yogastudio-Startup war das finanziell nur relativ schwer zu ertragen, zumal die Erstattung für den Februar ebenfalls so lange auf sich warten ließ. Offizielle Begründung war übrigens die (rechtzeitig) geänderte Bankverbindung von SHIVA SHIVA. Inoffiziell könnte man sich auch fragen, ob USC im „Gute Vorsätze“-Monat Januar Probleme mit der Kontodeckung hatte.

Als alles noch in Ordnung war.

Die Sache mit den Online-Kursen.

Als Mitte März der Corona-Lockdown die Studios traf, waren eigentlich alle schon darauf vorbereitet. Kameras und Scheinwerfer wurden aufgestellt und der Yogaunterricht ging einfach online weiter. Anfangs sogar mit äußerst reger Beteiligung, angeblich hatten manche LehrerInnen mehr als 100 TeilnehmerInnen in ihren Zoom-Klassen. Für die Studios eine gute Sache. Für Fit-Flatter wie Urban Sports Club ein Problem. Plötzlich mussten (durften) die Mitglieder das Haus nicht mehr verlassen und bekämpften die häusliche Langeweile mit den digitalen Yoga- und Sportangeboten ihrer Lieblingsstudios. Also entschloss man sich in der Zentrale in Berlin, die Auszahlungen pro TeilnehmerIn zu kürzen. Und zwar in echter „Friss-oder-stirb“-Manier. Als Jurist lernt man zu Beginn des Studiums, dass Verträge einzuhalten sind („Pacta sunt servanda“). Und als Fitness-Startup lernt man in der Krise, dass Geld nicht stinkt („Pecunia non olet“). Die kleinen Yogastudios als Geschäftspartner waren in dieser Situation aber schnell mit ihrem Latein am Ende. 

Die Sache mit dem Buchungssystem.

Coca Cola und Pepsi, Adidas und Nike, Berlin und München. Es gibt immer einen Gegenspieler. Und so ist es auch bei den Buchungssystemen für Yoga- und Fitnessstudios. Die beiden großen Player heißen Eversports und Fitogram. Nach einer kurzen Testphase vor der Eröffnung hat Eversports für SHIVA SHIVA YOGA gewonnen. Und mittlerweile sind auch fast alle Fitness-Flat mit diesem System verbunden: Wer eine Yogaklasse über My Fitness Card oder ClassPass bucht, ist automatisch im Eversports-System des jeweiligen Studios angemeldet. Urban Sports Club ist allerdings noch immer nicht in Eversports integriert. Das hat weniger etwas mit deren Software zu tun als mit der Tatsache, dass Fitogram und USC sich ziemlich gut verstehen und auch in der Krise füreinander da sind. Deshalb kam USC auch auf die Idee, allen Partnerstudios vorzuschreiben, für die Abwicklung ihrer Online-Klassen Fitogram zu nutzen. Die Partner mussten also entweder komplett auf Fitogram umsteigen, ihre Buchungen mühsam doppelt verwalten oder auf die (ohnehin schon stark reduzierten) Auszahlungen von Urban Sports verzichten. 

Hasta la vista, Urban Sports Club.

Auch wenn es manchmal so scheinen soll: Niemand wird gezwungen, mit Urban Sports Club zusammen arbeiten. Und viele Studios machen das auch nicht mehr – außer SHIVA SHIVA YOGA sind es schon einige, die ihren Vertrag mit USC beendet haben. Da fehlt am Ende des Monats natürlich erstmal Geld in der Kasse, aber Geld ist auch nicht alles. So lange es reicht, die Studiomiete und die YogalehrerInnen zu bezahlen, kann man in Zeiten wie diesen als Yogastudio erstmal zufrieden sein. Für ein hippes Fitness-Startup, das sich im vergangenen Jahr 200 neue MitarbeiterInnen und eine schicke neue Zentrale gegönnt hat, ist das allerdings kein Maßstab. Die kleinen Yogastudios kalkulieren zur Zeit etwas knapper und drehen jeden Euro zweimal um. Auch wegen großen Playern wie Urban Sports Club, die mit Investoren-Millionen im Rücken für gute Sitten und anständige Lehrerhonorare nicht wirklich viel übrig zu haben scheinen. Hier in München haben dieses Jahr schon die ersten Studios geschlossen und die ersten YogalehrerInnen Hartz IV beantragt. Nicht wegen Corona, sondern wegen dem, was die Branche daraus gemacht hat. Wenn du dich also das nächste Mal aufregst, weil du mit einer 59-Euro-Urban-Sports-Mitgliedschaft nur acht Mal im Monat zum Yoga gehen kannst, solltest du dir überlegen, wie ein/e Yogalehrer/in von dieser Kohle leben soll. Namaste.

PS: Bei SHIVA SHIVA YOGA gibt es für Urban Sports Club-Mitglieder übrigens einen Spezialtarif (vorerst bis Ende Oktober): Bei Nachweis einer gültigen Mitgliedschaft können sie jede Klasse für zehn Euro besuchen. 

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